«Generell 18» beim Alkoholverkauf?

Alkohol hat in der Schweiz eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz. Dabei geht oft vergessen, dass es sich bei Alkohol um eine psychoaktive Substanz und kein gewöhnliches Konsumgut handelt. Viele Länder reagieren darauf mit strengen Alkoholabgabelimits. Die Schweiz gehört zur Minderheit, die Bier und Wein an unter 18-Jährige verkauft.

Fachleute sprechen in Zusammenhang mit Alkohol auch von der Volksdroge Nr. 1. Ganze 85.8% der Schweizerinnen und Schweizer ab 15 Jahren konsumieren mehr oder weniger häufig Alkohol (1). Isoliert man die Altersgruppe der 15 bis 19-Jährigen, sind es immerhin noch 74.8% (2).

Erstaunlich: In vielen Ländern der Welt, darf dieser Altersgruppe gar kein Alkohol verkauft oder abgeben werden! Von 46 Ländern Europas kennen 34 ein generelles Alkoholabgabelimit von 18 Jahren oder höher. In Übersee schliessen sich dieser Handhabung einflussreiche Länder wie die USA, Kanada, Australien, Neuseeland, China oder Japan an. Die Schweiz gehört mit Deutschland und Österreich zur Minderheit, welche Bier und Wein bereits an 16-Jährige verkauft.

2018-02-28 Alkoholerwerbsalter in Europa

Welche Auswirkungen hat Alkohol auf Jugendliche und warum sind so viele Länder restriktiver bei der Abgabe als die Schweiz?

  1. Alkohol kann süchtig machen. Das Problematische hierbei: Jugendliche gewöhnen sich schneller an Alkohol als Erwachsene. Je früher Jugendliche anfangen, regelmässig Alkohol zu trinken, desto grösser ist das Risiko, dass sie als Erwachsene abhängig werden (3).
  2. Unter Alkoholeinfluss setzen sich Menschen diversen akuten Risiken aus. Die Verletzungsgefahr und das Risiko von (Verkehrs-)Unfällen steigen. Beim Rauschtrinken ist zudem immer das Potenzial einer Alkoholvergiftung vorhanden. Statistisch gesehen, landen täglich mehr als 30 Personen in Schweizer Spitälern mit einer Alkoholvergiftung als Haupt- oder Nebendiagnose (4). Davon sind rund 2,4 Personen zwischen 10 und 23-jährig (4). Jugendliche sind besonders von akuten Risiken betroffen, weil sie im Allgemeinen über weniger Erfahrung verfügen und Risiken schlechter abschätzen können als Erwachsene (5).
  3. Auch langfristige Folgen sind möglich. Die Gehirnforschung zeigt, dass das menschliche Gehirn erst deutlich nach 20 Jahren vollständig ausgereift ist. Betroffen ist beispielsweise der Präfrontale Cortex, der für die Planung, Entscheidungsfindung und Impulskontrolle zuständig ist.

In diversen Studien wurde ein nachhaltiger, negativer Effekt von Alkohol auf unser Gehirn nachgewiesen. So sind bei Jugendlichen, die bereits Erfahrungen mit übermässigem Alkoholkonsum gemacht haben, gewisse Hirnareale scheinbar weniger gut entwickelt. Dies hat Auswirkungen auf das Erinnerungsvermögen und die Lernfähigkeit einer Person. Gerade bei Jugendlichen, die sich in der Ausbildung befinden, ist dies (selbsterklärend) besonders verheerend (6 & 7).

Schweden, Norwegen und Finnland verfügen über ein generelles Alkoholabgabeverbot bis 18 Jahre. Hochprozentigen Alkohol geben sie sogar erst an 20-Jährige ab. In Schweden kommt dazu, dass alkoholische Getränke mit mehr als 3,5 Volumen-% nur in den staatlich kontrollierten Systembolaget-Geschäften verkauft werden dürfen. Dies ist ein Instrument der staatlichen Alkoholpolitik um den Alkoholkonsum einzudämmen.
Island hat sogar noch strengere Regeln. Dort darf sämtlicher Alkohol erst an Personen über 20 Jahren verkauft werden.

Einiges spricht also für «Generell 18» beim Alkoholverkauf – auch in der Schweiz. Im Kanton Tessin ist dies bereits seit 1989 Realität. Die kantonale Gesetzgebung beinhaltet dort strengere Regeln als auf nationaler Ebene. In anderen Kantonen wurde das Thema ebenfalls bereits diskutiert.
Auch einige grosse Ladenketten haben sich bisher freiwillig für eine solche Handhabung entschieden: Nach Coop, hat auch Migrolino ein Alkohol-Verkaufsverbot an Minderjährige in seinen Tankstellen-Shops eingeführt.

Ein grosses Plus von «Generell 18» ist ganz klar die Vereinfachung und Vereinheitlichung der Alterskontrollen. Service- und Verkaufspersonal müssten nicht länger überlegen, welche alkoholischen Getränke sie an wen verkaufen dürfen. Alle Betroffenen wüssten: Wo Alkohol drin ist, gilt beim Verkauf «Generell 18».
Kommt dazu, dass neben dem Preis und der Werbung einer Ware, auch die Verfügbarkeit darüber entscheidet, wie häufig und wieviel etwas konsumiert wird. Es ist also zu erwarten, dass ein «Generell 18» den Alkoholkonsum von Jugendlichen unter 18 Jahren senken würde.

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Bild: Keystone

Warum nicht auch gleich eine Kultur entwickeln, wo Konsumentinnen und Konsumenten automatisch den Ausweis vorweisen, wenn wir Alkohol kaufen? Es soll nicht länger eine lästige Bürde der Verkaufspersonen sein, nach dem Ausweis zu fragen. Eine solche Holschuld geht schnell vergessen oder ist mit Unannehmlichkeiten verbunden.
Wer beim Anstehen an der Kasse den Ausweis bereithält, trägt nicht nur zu einer schnelleren Abwicklung des Kaufvorgangs, sondern auch zu einer Unterstützung des Verkaufspersonals bei. Letztlich bedeutet dieses Zeichen auch ein Bekenntnis zum Jugendschutz.

Quellen:

  1. Suchtmonitoring Schweiz – http://www.suchtmonitoring.ch/de/2.html?alkohol
  2. Suchtmonitoring Schweiz (2016) – http://www.suchtmonitoring.ch/de/2/1-2.html?alkohol-pravalenz-konsum-haufigkeit-und-abstinenz
  3. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Kampagne «Alkohol? Kenn Dein Limit» – https://www.kenn-dein-limit.info/alkoholabhaengigkeit.html
  4. Medizinische Statistik der Krankenhäuser (2014), Suchtmonitoring Schweiz – http://www.suchtmonitoring.ch/de/2/6-2.html
  5. Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen, Elterninfo-Alkohol – https://www.elterninfo-alkohol.de/was-sie-%C3%BCber-alkohol-wissen-sollten/risiken-und-gefahren/
  6. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Projekt «Drugcom» – https://www.drugcom.de/?id=topthema&sub=152
  7. Western Australia, education campaign «Alcohol.Think Again» – http://alcoholthinkagain.com.au/Parents-Young-People/Alcohol-and-the-Developing-Brain/Impact-of-Alcohol-on-the-developing-brain
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