Angestossen wird mit der Person und nicht mit dem Getränk!

Vor den zahlreichen Geschäftsessen, Weihnachtsfesten und Silvesterpartys ist es hilfreich und sinnvoll, sich diese moderne Kniggeregel vor Augen zu führen.

Wer mit Mineralwasser, Orangensaft oder Cola anstossen will, braucht sich von Sekttrinkenden nicht zurückweisen zu lassen. Ein Zuprosten mit alkoholfreien Getränken ist kein Stilbruch mehr! Alkoholfreie Getränke gelten heute als gleichberechtigt, damit niemand ausgeschlossen werden muss, nur weil er oder sie keinen Alkohol trinkt.

Betriebe stehen in der Verantwortung, insbesondere gegenüber ihren Lernenden und den Fahrzeuglenkenden. Kein Betrieb möchte provozieren, dass seine Angestellten nach dem Weihnachtsessen auf dem Nachhauseweg infolge Trunkenheit verunfallen oder Lernende mit einer Alkoholvergiftung hospitalisiert werden müssen. Es ist deshalb empfehlenswert, sich schon vor dem Anlass Gedanken über den Alkoholkonsum zu machen und dementsprechend Massnahmen zu ergreifen.

Unser Weihnachtswunsch für die bevorstehenden Betriebsfeiern lautet:

  • Sorgen Sie dafür, dass auch nichtalkoholische Getränke in einem schönen Glas mit Stiel serviert werden. Sie zeigen auf diese Weise Wertschätzung Schwangeren, Fahrzeuglenkenden und Lernenden gegenüber
  • Offerieren Sie ein attraktives und breites alkoholfreies Angebot an Getränken. Als interessante Alternative bieten sich alkoholfreie Cocktails an. Rezepte finden Sie unter www.bluecocktailbar.ch
  • Klären Sie die Belegschaft über die Jugendschutzbestimmungen auf. Das heisst: keinen Alkohol an Jugendliche unter 16 Jahren und keine Spirituosen an Minderjährige
  • Seien Sie sich als Vorgesetzte ihrer Vorbildfunktion bewusst und konsumieren Sie alkoholische Getränke genussvoll und mit Mass
  • Klären Sie schon im Voraus mit dem Servicepersonal ab, dass an offensichtlich betrunkene Personen kein weiterer Alkohol mehr ausgeschenkt wird.

Es gelten folgende gesetzlichen Bestimmungen:

Gastgewerbegesetz (GGG) Art. 29 Alkoholabgabeverbot
1 Verboten sind die Abgabe und der Verkauf
a alkoholischer Getränke an Jugendliche unter 16 Jahren sowie an volksschulpflichtige Schülerinnen und Schüler,
b gebrannter alkoholischer Getränke an Jugendliche unter 18 Jahren,
c alkoholischer Getränke an Betrunkene und
d alkoholischer Getränke mittels Automaten, die öffentlich zugänglich sind.

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Juni – der Monat der Schulfeste und Partys

Das Schuljahr neigt sich dem Ende entgegen. Bald werden die ersten privaten Schulabschlussfeste geplant und anschliessend gefeiert. Häufig gehört auch exzessiver Alkoholkonsum dazu. Die grosse Freiheit scheint zu rufen. Das Fest gehört der Jugend! Haben die Erwachsenen dazu noch etwas zu sagen?

Die Ansicht darüber kann unterschiedlicher nicht sein. Eine Möglichkeit besteht darin, dass Eltern die Verantwortung an die Lehrkräfte abschieben oder umgekehrt. Es gibt Eltern, die sich der Verantwortung gegenüber ihren Kindern nicht stellen wollen und den Kopf in den Sand stecken. „Nichts sehen – nichts hören und einfach vorbeigehen lassen“ heisst ihre Devise. Andere Eltern verbieten ihren Kindern schlichtweg die Teilnahme in der Annahme, die Gefahrenzone auf diese Weise zu umgehen. Beide Reaktionen bergen Gefahrenpotential und können sich negativ auf die Entwicklung der Jugendlichen auswirken.

DIE richtige Lösung im Umgang mit Schulfesten scheint noch nicht gefunden zu sein. Aber hier einige Tipps, die helfen können, dass die Abschlussparty weder im Alkohol ersäuft noch im Desaster endet.

Mit den Jugendlichen über die Party sprechen!

  • Zeigen Sie Interesse an der Abschlussparty Ihrer Kinder.
  • Sprechen Sie mit ihnen über die Risiken und Gefahren von Alkohol- und Cannabiskonsum und vereinbaren Sie realistische Abmachungen mit ihnen.
  • Diskutieren Sie auch nach der Party mit Ihrem Kind über die gemachten Erlebnisse ohne zu moralisieren.

Steuern Sie die Getränkeauswahl!

  • Spenden Sie für den Anlass alkoholfreie Getränke in breiter Auswahl.
  • Spirituosen haben an einer Schulabschlussparty nichts zu suchen.
  • Denken Sie daran, dass es nicht erlaubt ist, alkoholische Getränke an Kinder unter 16 Jahren abzugeben (Schweizerische Strafgesetzbuch Art. 136). Strafbar macht sich auch, wer Personen unter 18 Jahren Spirituosen abgibt, ohne die elterliche Sorge zu haben (Gesetz über das kantonale Strafrecht, Art. 13, Kanton Bern).

Ziehen Sie andere Eltern und die Lehrkräfte in das Gespräch mit ein.

  • Diskutieren Sie mit anderen Eltern darüber, was Sie ihrem minderjährigen Kind erlauben und was nicht. Bedenken Sie, dass Regeln von Familien unterschiedlich gehandhabt werden.

Weggeschaut ist mitgemacht! Zivilcourage ist angesagt! Ziehen die Eltern, die Lehrkräfte, der Detailhandel, das Gastgewerbe, die Jugendfachstellen am selben Strick, kann der Jugendschutz effizient umgesetzt werden. Schulfeste und Partys sollen in guter Erinnerung bleiben – auch im Nachhinein!

Wirksamer Jugendschutz – intelligente Prävention

Wirksamer Jugendschutz beginnt nicht erst beim Alkoholverkaufsverbot an Minderjährige. Er beginnt bereits im Vorschulalter, daheim am Mittagstisch, im Jugendtreff. Wir als Erwachsene müssen Verantwortung übernehmen. Sei es, indem wir Aufklärung leisten, Vorbild sind oder indem wir uns an die rechtlichen Bestimmungen beim Verkauf von Alkohol an Jugendliche halten.

Alkoholtestkäufe sind nicht nur ein wirksames Mittel zur Überprüfung der Jugendschutzbestimmungen, sie dienen auch dazu die Bevölkerung und das Verkaufs- resp. das Servicepersonal zu sensibilisieren. Es geht dabei um die Auseinandersetzung mit der Thematik, dem vor Augenführen von Tatsachen und rechtlichen Bestimmungen.

Der menschliche Körper ist so gebaut, dass er sich bis ungefähr zum 20. Lebensalter entwickelt. Die Leber zum Beispiel ist bei einem 14-Jährigen Mädchen noch nicht voll ausgereift. Somit kann ein Alkoholrausch bei Jugendlichen schnell einmal zu einer Alkoholvergiftung führen.

Nehmen wir unsere Verantwortung unseren Jungen gegenüber also wahr. Wir könnten das nächste Schulschlussfest, die nächste Familienfeier oder die Halloweenparty ganz gut einmal alkoholfrei feiern. Als Erfolg davon sehen wir eine nachhaltige, gesunde und lebensfrohe Entwicklung unserer Kinder.

Karin Leuenberger

30% weniger Zwischenfälle durch übermässigen Alkoholkonsum in Genf

Im Kanton Genf besteht ein Alkoholverkaufsverbot ab 21 Uhr. Obwohl das Gesetz noch zu wenig umgesetzt und Verstösse noch kaum geahndet werden, verzeichnet die Polizeit 30% weniger Zwischenfälle durch übermässigen Alkoholkonsum. Nicht auszudenken, welche positiven Folgen ein konsequentes Umsetzen des Nachtverkaufverbotes haben würde…

Der 10vor10-Beitrag vom 17.09.2013 zeigt auf, welche Erfahrungen der Kanton Genf mit dem Alkoholverkaufsverbot gemacht hat: Nächtliches Alkohol-Verkaufsverbot

Mike Neeser, Psychologe lic. phil.

Neues Alkoholgesetz verfehlt seinen Zweck

Im Zweckartikel (Art. 1) des neuen Alkoholgesetzes (AlkHG) steht folgendes:

Dieses Gesetz regelt den Handel mit alkoholischen Getränke mit dem Zweck:
a. den problematischen Alkoholkonsum und die Schäden, die dadurch verursacht werden, zu vermindern;
b. insbesondere die Jugend zu schützen.

Dieses Ziel erreicht man mit verschiedenen präventiven, aber auch regulatorischen Massnahmen. Studiert man die aktuelle Vorlage, die morgen im Nationalrat behandelt wird, muss man zum Schluss kommen, dass der Zweck des Gesetzes nicht erfüllt wird, sondern dass im Gegenteil dem problematischen Alkoholkonsum alle Türen offen stehen. Die Wirtschaftskommission des Nationalrates (WAK-N) hat alle griffigen Massnahmen verworfen:

  • Kein Mindestpreis für alkoholische Getränke, obwohl eine erdrückende Anzahl Untersuchungen beweisen, dass Mindestpreise bei vulnerablen Gruppen (junge Menschen, problematisch Konsumierende) wirken.
  • Keine Einschränkung der Erhältlichkeit, obwohl dies der Schweizer Städteverband aufgrund der grossen Problemlast im Nachtleben fordert.
  • Lockerung der Werbeverbote, obwohl bewiesen ist, dass Jugendliche umso mehr und früher konsumieren, je häufiger sie Werbung für Alkohol sehen
  • Kein Verbot für Lockvogelangebote wie Happy Hours und somit die Möglichkeit, sich günstig einen Rausch anzutrinken.
  • Ausbeutebesteuerung im Spirituosensteuergesetz und somit ein wahrscheinlicher Rückgang des Alkoholzehntels. Mit diesem werden die Präventionsbemühungen finanziert.

Werden diese Punkte nicht vom Nationalrat korrigiert, drohen in den nächsten Jahren eine Zunahme von Rauschtrinken mit allen negativen Begleiterscheinungen sowie eine Zunahme von alkoholabhängigen Menschen.

Mike Neeser, Psychologe lic. phil.